Warum Anton Neuwirth?

Anton Neuwirth (1921-2004) war ein respektierter und bekannter slowakischer Intellektueller, Diplomat, Mediziner und Politiker. Obwohl er die Schrecken des 21. Jahrhunderts als Augenzeuge miterlebt hat, lautete sein Lebensmotto: “Das Böse soll durch die Liebe geheilt werden.”

Der junge Neuwirth, dessen Vater Jude war, erlebte als Zeuge die Deportation eines Teils seiner Familie in Konzentrationslager der Nationalsozialisten. Als Erwachsener und Vater von vier Kindern wurde er in ein kommunistisches Gefängnis deportiert, in welchem er sechs Jahre verbrachte. Das kommunistische Regime hatte einige Gründe, um ihn zu fürchten: Anton Neuwirth war ein exzellenter Mediziner und gläubiger Katholik, der nach seinem Studium umfangreich in intellektuelle Zirkel engagiert war.

Nach dem Ende des Kommunismus unterstützte er die Gründung der slowakischen christdemokratischen Partei. Später bewarb er sich vergeblich um die Präsidentschaft in der slowakischen Republik.Im weiteren Verlauf seines Lebens wurde er der erste slowakische Botschafter im Vatikan und Neuwirth war bis zu seinen letzten Tagen im öffentlichen Leben aktiv.

Einige von uns hatten die Ehre ihn persönlich kennenzulernen. Im Jahre 2002 wurde Neuwirth um Ratschläge und Gebete für die Gründung der Ladislav Hanus Gesellschaft gebeten.

Neuwirth schlug vor, dass die Gemeinschaft nach Ladislav Hanus benannt wird. Mit diesem bedeutenden slowakischen Denker teilte er sich die Fußfesseln im kommunistischen Gefängnis. Neuwirth wurde Pate der Ladislav Hanus Gemeinschaft und vielen von uns ein Freund. Er verstand besser als viele andere die Wichtigkeit einer gut ausgebildeten neuen Generation. Dabei sehnte er sich oft nach einem dauerhaften Bildungsinstitut für junge Slowaken.

Das Kollegium Anton Neuwirth trägt stolz den Namen dieser großen slowakischen Persönlichkeit und erfüllt dessen Traum und ist dabei bemüht sein Vermächtnis pflichtgetreu zu erfüllen.

Biografie

Dr.med. Anton Neuwirth wurde 1921 als Sohn einer römisch-katholischen Frau und einem neologischen Juden in einer slowakisch-ungarisch-deutschen Familie geboren. Wie er oftmals betont hat, war sein Familienkreis für ihn „eine Schule der religiösen und nationalen Toleranz“. Nach dem Abschluss der jüdischen Grundschule in Slovenské Kapušany und dem Realgymnasium in Žilina und Prievidza hat er sich in die Medizinische Fakultät der Comenius-Universität in Bratislava eingeschrieben, wo er im Jahr 1946 den Titel Dr. med. erworben hat.

Während seines Studiums wurde Anton Neuwirth ein Mitglied der Gemeinde „Rodina“ (Familie), die während des zweiten Weltkrieges von dem kroatischen Priester Prof. Kolakovič geführt wurde. Das Treffen mit Kolakovič, das in der Zeit des ersten Totalitären Regimes stattgefunden hat, spielte eine zentrale Rolle für die Entwicklung seines Gesellschaftlichen Engagements in der Zeit des zweiten Totalitären Regimes. A. Neuwirth erinnert sich:„Kolakovič war in unseren Augen der Wegbereiter der katholischen Soziallehre. Als erster hat er die Kirche als ein Sozialfaktor und die soziale Frage als die Priorität bezeichnet. Weil bis dahin kein effektiver Eingriff in die Sozialstruktur war, wurde Kolakovič von vielen einschließlich des Präsident Tiso für einen roten Agent gehalten und es war sehr schwierig für ihn sie vom Gegenteil zu überzeugen.“

Die Gemeinschaft, die Prof. Kolakovič gegründet hat, überdauerte beide totalitäre Regime und während des Kommunismus wurde sie eine der Zentren für die Untergrundkirche.

Ein Jahr nach dem Abschluss seiner Studien hat er die Ehe mit Eva Adamková geschlossen und er fing mit der Arbeit in der Anstalt für medizinische Chemie in der medizinischen Fakultät der Comenius-Universität an. Später hat er ein Stipendium als wissenschaftlicher Mitarbeiter vom Professor P. Karrera in Zürich bekommen, wo er auch die zwei nächsten Semester des Studiums in Chemie abgeschlossen hat. Der kommunistische Putsch in der Tschechoslowakei hat für A. Neuwirth eine Verpflichtung zurück nach Hause zu kommen um die Pflege der Kultur zu unterstützen bedeutet. Die Kultur wurde zur Zielscheibe einer systematischen Bemühung um die Liquidation von der Regierungspartei.

Nach der Heimkehr hat er Vorlesungen über medizinischer Biochemie in der medizinischen Fakultät der Pavol Jozef Šafárik Universität gehalten. Für eine anti-marxistische Lehre und Aktivität in der Gemeinschaft „Rodina“(Familie) wurde er im Jahr 1953 verhaftet und wegen „Hochverrat und der Spionage“ zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt. Er war im Gefängnis in Ilava und in Leopoldov. Nach der Amnestie im Jahr 1960 war er als Facharzt in Žilina und als Chefarzt in der Abteilung für klinische Biochemie in Čadca sowie im Fakultätskrankenhaus in Martin tätig. Bis zur seinen Rente im Jahr 1989 hat er an vielen forschungswissenschaftlichen Arbeiten Anteil genommen.

Seitdem hat er sich stark für die Konstituierung der christlichen und demokratischen Politik in der Slowakei eingesetzt. Er ist Abgeordnete im Nationalrat der Slowakischen Republik und Ehrenvorsitzende in der christlich-demokratischen Partei geworden. Er hat als Publizist gearbeitet und er hat die Vorlesungen in verschiedenen Themen sowohl aus dem Bereich der Ethik, Medizin, Politik als auch der geistlichen Kultur gehalten. Zwischen den Jahren 1994-1998 wurde er zum Botschafter der Slowakischen Republik beim Heiligen Stuhl in Rom ernannt.

A. Neuwirth ist am 21. September 2004 zu Hause in Bojnice unerwartet gestorben.

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